Warum überhaupt Selfpublishing?


Kurz und knapp:
Vom Literatur-Schmuddelkind zum professionellen Markt  


„Die hat wohl keinen Verlag gefunden, ob sie am Ende noch draufgezahlt hat?“

So hämisch können Autoren miteinander umgehen! Selfpublishing genoss aber auch abseits des Literaturbetriebs lange nicht den besten Ruf. Veröffentlichen lässt sich damit schließlich jeder Text. Egal, ob sich dahinter eine literarische Perle oder Buchstabensalat verbirgt. Dagegen haben Bücher mit einem Verlagslogo auf dem Titel in der Regel eine Qualitätsprüfung durchlaufen. Auf den Servern von Amazon lagern über 8 Millionen E-Book-Dateien1. Neben schnell hochgeladenen, unfertigen Texten, gibt es dort auch professionell produzierte Romane und Sachbücher. Lektorinnen, Grafiker, Marketing-Experten und Bloggerinnen geben selbst publizierten Texten den letzten Schliff oder bewerben die Bücher. Einige Autorinnen und Dienstleister leben sogar davon. Aber auch, wenn der der Durchbruch ausbleibt (so wie bei mir): Es macht Spaß, wenn wieder jemand das eigene Werk verschlungen hat!  




Mein Weg ins Selfpublishing:

Vor 12 Jahren wagte ich mich an ein Abenteuer, das heute „Die zwei Leben der Esther K.“ heißt. Es mag sich wie ein Klischee anhören, aber die Muse küsste mich damals vollkommen unerwartet beim Zähneputzen: Wäre mein Leben anders verlaufen, wenn ich irgendwann, in nur einem Moment, eine andere Entscheidung getroffen hätte? Vermutlich beschäftigte mich das Thema damals auch, weil ich mit Anfang 30 das erste Mal deutlich spürte, dass die Möglichkeiten im Leben begrenzt sind. Und da mein Gehirn gerne Geschichten erfindet, spann sich aus dieser Erkenntnis der Plot für meinen Debütroman.

Ich skizzierte die Geschichte auf ca. 100 Seiten und vergaß sie die nächsten Jahre in den Tiefen meiner Festplatte. In einem zweiten Anlauf überarbeitete ich den Text und schrieb Literaturagenten und Verlage an. Bei einer Agentur rief ich so oft an, bis jemand mein Rohwerk begutachtete. Fazit: Das Thema haben andere schon besser bearbeitet. Ein Verlag zeigte Interesse, sagte jedoch unerwartet ab. Die meisten schickten nicht mal Absagen. Ich fühlte mich entmutigt und ließ es erstmal wieder sein. Leider!


„Every time they told me no, I just got stronger.“

Ach, Lady Gaga. Wenn es nur so einfach wäre!  Ich zweifelte an meinem Werk, legte es wieder weg und weitere Jahre verstrichen. Im Sommer 2019 schließlich fühlte ich mich endlich stark genug und nahm die Sache selbst in die Hand. Ich bastelte diese Webseite, postete (ein wenig 😉 ) in den sozialen Medien, überarbeitete mein Buch und kaufte ein professionelles Cover. Im Januar 2020 lud ich es schließlich bei Amazon hoch und veranstaltete eine Leserunde bei lovelybooks. Tatsächlich bekam ich überwiegend positive Rückmeldungen. Und dann passierte erstmal nichts mehr. Doch dazu mehr im nächsten Beitrag.


Hier nochmal die wichtigsten Unterschiede:

Verlag Selfpublishing
Es dauert ewig, bis dein Buch erscheint, wenn überhaupt. Du kannst dein Buch in fünf Minuten hochladen.
Kein finanzielles Risiko, unter Umständen gibt es sogar einen Vorschuss. Du investierst viel Geld in dein Werk mit dem vollen Risiko, nichts davon zurückzubekommen.
Ein professionelles Team macht dein Werk fertig für die Veröffentlichung und dafür zahlt der Verlag. Du musst jeden Schritt selber planen und bezahlen (Cover, Lektorat…).
Das Marketing wird dir zumindest teilweise abgenommen. (Allerdings erwarten vor allem kleine Verlage hier Mitarbeit von den Autoren.) Nach der Veröffentlichung geht es erst los: Du musst selber schauen, wie dein Buch Leserinnen findet.



Quellen:

1 So steht es auf der Amazon-Homepage. Dabei wird nicht klar, ob es sich ausschließlich um deutschsprachige Bücher handelt oder um alle publizierten E-Books weltweit. Auch den Anteil der Selfpublisher konnte ich nirgends finden.

Bild (lizenzfrei) von Canva

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